Nähabenteuer mit meiner Bluse Róba

Die Vorgeschichte

„Keine Angst vor Klamotte“ – so der Titel. Und ja, ich hatte in der Tat Angst. Schöne Grüße vom Perfektionisten. Darum, und weil ich dranbleiben wollte, hatte ich am 16. Januar 2022 mit einem Nähtagebuch angefangen, was dann jedoch schnell wieder in der Versenkung bzw den Tiefen meines PCs verschwunden war. Ich habe es wiedergefunden, als ich vorgestern die Bluse wieder hervorgeholt habe, weil Ende des Jahres auch der Kurs zu Ende sein wird, es sei denn, ich verlängere. Und ich möchte in den letzten Wochen doch noch etwas mitnehmen und das Gefühl haben, ihn auch genutzt zu haben.

Im Nähtagebuch kann ich zurückverfolgen, dass ich gleich zu Anfang schon „erschlagen“ war von den vielen Informationen, da laufe ich Gefahr mich zu verzetteln, weil ich doch alles spannend finde. Und andererseits bin ich ungeduldig. Ich habe dann ganz perfekt alle Links und erste Arbeitsschritte in mein Nähtagebuch kopiert.

Dann habe ich meinen Stoffschrank ausgeräumt, um einen geeigneten Probestoff zu finden, sprich einen Stoff, bei dem es nicht mehr weh tut, wenn ich ihn zerschneide und wenn es nicht klappen sollte. Dabei habe ich viele, viele Stoffe wiedergefunden.

Anschließend habe ich mir einen Tee gekocht, kleine Pause vorab und ich denke an die angefangenen Nähprojekte, an meine immer wieder neue Sehnsucht, dass es nun doch bitte endlich klappt und so oft ist nichts daraus geworden, denke an meine Enttäuschung. Aber ich wollte diesen Kurs … – ja, ja, die unvollendeten Nähprojekte, die Uvo’s, die können auch gut ein schlechtes Gewissen machen, können die Freude am Anfangen zunichte machen und auf diese Weise Energie abziehen.

Erkenntnisse

Beim Zusammentragen merke ich, auf wie vielen Nebenschauplätzen ich parallel noch „unterwegs“ war. Vielleicht ist die Minischritt-Taktik, die ich jetzt anwenden und einüben will, auch darum ganz gut – nur einen Arbeitsschritt oder auch zwei, und den aber auch machen und das am besten täglich, um im Prozeß zu bleiben. Und dann – ganz wichtig! – den auch als Erfolg wahrnehmen. Und dann ist immer noch Gelegenheit, sich um anderes zu kümmern.

Und ich merke, wie viele Gefühle da im Spiel sind, wie viel Lust und Freude an Stoffen, an Schnittmustern, wie viel Enttäuschung und Trauer und Verlustgefühl, wie viele Gedanken und Überlegungen. Und nicht zuletzt hat sich meine Einstellung zum Nähen gewandelt. Nun geht es auch um das Entwickeln des eigenen Stils – welches sind meine Farben und für mich geeignete Schnittmuster? – was wiederum mit der Frage zusammenhängt, wer ich bin. Und da komme ich gefühlt in eine Sackgasse. Ja, wer bin ich? Oder auch: wer will ich sein? Oder wie? Ups …

Nachdem ich das nun alles bewusst wahrgenommen habe und es hier festgehalten, niedergeschrieben habe, hat es seinen Platz.
Das alles darf sein.
Aber ab jetzt möchte ich mich auf die Nähtechnik fokussieren, die Nähtechnik, die an einer Bluse oder an einem anderen Kleidungsstück eingeübt wird, und diese erlernen und damit verbunden das Kleidungsstück zu Ende nähen. Um mehr soll es nicht gehen.

Versprechen

Hier verspreche ich mir nun: ich bleibe dran! Diese Bluse wird fertig! Ich will den Erfolg! Und wenn es zehnmal nur eine Probebluse ist. Vielleicht wird sie ja doch ganz schön! Und ohne Übung wird das nichts.
Es ist eine Probebluse, der Stoff ist sehr flutschig, das ist schwierig und darum wird es nicht so perfekt. Aber da ich ja übe, darf es sein und werden.

Und ich verspreche mir weiterhin: ich werde hier über jeden Fortschritt berichten. Ich möchte gern jeden Tag einen Minischritt weiterkommen. Kleiner Nebeneffekt und Nebenschauplatz – dann bin ich täglich auch ein kleines bisschen mit Bloggen beschäftigt. 😉

Und ich verspreche mir auch, dass ich daneben auch gucke, was mich bremst und das hier festhalte, dass ich um Hilfe bitte und dass ich mein Nähzimmer immer besser aufräume und strukturiere.

Wenn die Bluse so halbwegs gelungen ist, werde ich sie zum Schluß noch blau färben und hier ein Foto einstellen.

Hier trage ich nun die ersten Minischritte nach:
– Vorgestern habe ich die falsche Naht aufgetrennt und die zugeschnittenen Teile mal wieder gebügelt.
– Gestern habe ich die Naht nochmals neu genäht, nun habe ich auch am zweiten Vorderteil eine Kellerfalte. Die Passe hatte ich schon genäht.
– Heute werde ich die Vorderteile mit dem Rückenteil verbinden, da muss ich alle Teile aufrollen. Zum Glück kann ich mir das Video anschauen.

– 18.10. Ich habe die das Rückenteil und die Vorderteile zusammengenäht – darüber freue ich mich sehr, denn das war schon schwieriger und ich habe es zum ersten Mal gemacht. Der Stoff ist ziemlich flutschig, was es zusätzlich schwierig macht. Eine Naht ist auch beim Nachnähen nicht astrein geworden, aber weil sich rechte und linke Stoffseite nicht unterscheiden, könnte ich jetzt noch die linke Seite als rechte nutzen.

Gedankenanstöße und Erkenntnisse

In einer FB-Gruppe schrieb eine Frau bedauernd, dass ihr Nähzimmer noch nicht richtig eingerichtet ist und dass sie deshalb nicht so zum Nähen kommt – so geht es mir auch. Mein Zimmer hat mehrere Funktionen und ist sehr vollgestellt. Ich kenne eine Frau, die jedesmal nach dem Nähen ihr Nähzimmer aufräumt. Wahrscheinlich geht das schnell, wenn man es immer wieder macht. Dann fällt auch das Anfangen viel leichter. Ich habe eben die wenigen Teile gleich wieder weggeräumt. Insgesamt brauche ich eine bessere Strukur.

Ich brauche geeignetere Beleuchtung und andere Gardinen.

In einer FB-Gruppe zeigte eine Frau ihr neuestes fertiggestelltes Kleid. Sie hat es fertiggenäht, fand es selbst aber allenfalls als bequemes Hauskleid geeignet. Ich habe alle Kommentare gelesen und es stellte sich heraus, dass sie vom Bauchumfang als dickster Stelle ausgegangen ist und nicht von der Oberweite. Dadurch sitzen die Brustabnäher viel tiefer und sitzt das ganze Kleid nicht. Das zu sehen, fand ich sehr lehrreich. Und ich fand es super ermutigend, dass sie das gezeigt hat. Wie oft sehe ich die meist perfekt genähten Kleidungsstücke – obwohl ich mich nicht vergleichen will, ist es doch wie ein feiner kleiner Stich, dass es bei mir nicht voran geht und dass ich es immer noch nicht kann. Heute konnte ich mich einfach auf das Tun konzentrieren, das war eine schöne Erfahrung.

Morgen geht es weiter, da wird ringsherum versäubert und ist der Kragen dran. Tot dan! 😀

19.10.2022 Ich habe als Erstes die Kanten ringsherum versäubert. Das war nicht so leicht wie ich dachte, weil der Stoff so flutschig ist. Im Video sieht das so einfach aus, alles passt ganz genau aufeinander. Bei mir nicht. Ich habe dann einfach weggeschnitten, was da irgendwie so zweckfrei überstand. Habe ich nicht genau genug gearbeitet? Diese Zweifel immer … Mal sehen, wie ich lerne, das zu verbessern.

Eigentlich wollte ich heute den Kragen nähen, aber ich war dann zu nervös – was für ein Luxus, mir zuerst das Vegnügen zu gönnen. Immer mehr kam mir in den Sinn, was ich noch alles soll, will und muss. Also habe ich den Schritt „Kragen“ nicht bearbeitet. Das Versäubern war ja auch ein Schritt.

20.10.2022 Mein Freund mag den Stoff nicht. Nou …
Heute hatte ich spontan Besuch. Meine neue Bekannte / Freundin findet das Schnittmuster gut (und die kleinen Unperfektheiten fallen gar nicht so auf :-D), die angehende Bluse schön und wenn ich Probleme habe, ist sie für mich da. Was für ein Geschenk! Das motiviert so! Auch wenn ich heute nichts genäht habe. Sofort fallen mir viele neuere, unvollendete Nähprojekte ein. Ich werde sie angehen – jetzt erst recht! Plötzlich habe ich noch ein ganz anderes „Netz“, das mich auffängt, da ist eine, die auch gern näht, die ich fragen kann. Ich bin gerade unbeschreiblich dankbar und fühle mich auf eine Weise ein kleines bisschen mehr zu Hause. Danke!!!

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